Casa dos Bicos und die José Saramago Stiftung
Der berühmteste Romancier der jüngeren portugiesischen Geschichte ist zweifellos José Saramago, Nobelpreisträger, Autor moderner Klassiker wie Blindheit und allgemeiner Verfechter des verschachtelten Satzes, ein großer Mann, dem ein Museum in der Casa dos Bicos in Alfama gewidmet ist und den ich ehren werde, indem ich jeden Absatz dieses Artikels als einen einzigen fließenden Gedanken wie diesen konstruiere.

Gut, ich bin nicht annähernd geschickt genug, um solche Sätze zu schreiben. Aber wie seine Leser wissen, hatte Saramago damit kein Problem. Seine Sätze gehen über ganze Seiten ohne einen einzigen Punkt, und ganze Dialoge zwischen Figuren finden ohne Anführungszeichen statt. Und irgendwie schafft er es, dass das alles funktioniert. Wenn man eines seiner Bücher liest, ist es, als würde man in die Gedanken eines Genies eintauchen und auf eine Reise mitgenommen, auf der man sich frei bewegen kann.
José Saramago wurde 1922 in dem Dorf Azinhaga geboren, obwohl seine Familie nach Lissabon zog, als er gerade zwei Jahre alt war. Er führte ein bescheidenes Leben, arbeitete als Mechaniker und später als Journalist. Erst im Alter von 60 Jahren wurde er mit seinem Roman Baltasar und Bilmunda international bekannt. Seine Bücher behandeln phantastische Themen wie die plötzliche Erblindung eines Volkes (Die Blindheit), den Tod, der sich eine Auszeit von seiner Arbeit nimmt (Der Tod mit Unterbrechungen) oder die Abspaltung der iberischen Halbinsel von Europa (Das steinerne Floß).
Als Saramago 2010 im Alter von 87 Jahren starb, begann für Portugal eine Zeit der nationalen Aufklärung. Obwohl er in seinem Heimatland geliebt wurde, lebte er auf der spanischen Insel Lanzarote im Exil, nachdem die konservative portugiesische Regierung sein „Evangelium nach Jesus Christus“ wegen angeblicher Beleidigung des Katholizismus zensiert hatte.

Saramago ist zwar nicht mehr unter den Lebenden, aber seine liberalen Werte werden in ganz Portugal durch die José Saramago Stiftung gefördert, die ihren Sitz in der Casa dos Bicos (Haus der Stacheln) hat. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude am Ufer der Alfama ist sofort an den bizarren Stacheln zu erkennen, die die Fassade zieren. Im Inneren befinden sich ein kleines archäologisches Museum, eine interessante Ausstellung über Leben und Werk des Autors, eine Buchhandlung und eine Bibliothek.
Der Besuch des Archäologischen Museums ist kostenpflichtig, die Saramago gewidmeten Bereiche sind jedoch kostenlos. Wenn Du bereits ein Fan seiner Werke bist, wirst Du die Casa dos Bicos lieben… Es ist ein wunderbarer Ort, um sich an ihn zu erinnern und neue Werke zu entdecken, die Du vielleicht noch nicht gelesen hast. Und wenn Du noch kein Fan bist, solltest Du unbedingt einen seiner Romane lesen.