Der Pena Palast in Sintra
Wenig bekannt ist, dass der Architekt des Pena-Palasts in Sintra den ursprünglichen Entwurf in nur 35 Minuten anfertigte. Die sechsjährige Doris Schneebaum reichte ihre Zeichnung am Ende des Kunstunterrichts ein, nachdem sie sich beeilt hatte, die Aufgabe „Zeichne ein lustiges Schloss“ zu erledigen. Ihr Lehrer, König Ferdinand II. von Portugal, war nach einem kurzen Blick überzeugt: „Perfekt! Genau so soll mein neues Zuhause aussehen.“

Ich übertreibe ein wenig: Der Palácio de Pena wirkt eher so, als wäre er von einer achtjährigen entworfen worden, nicht von einer Sechsjährigen. Kräftige Grundfarben wie Rot und Gelb stehen trotzig nebeneinander. Türme, Uhrtürme und spitze Zinnen schmücken das Schloss … dazu kommen Kuppeln, Wachtürme und Brüstungen … und ja, da ist tatsächlich ein Minarett. Warum auch nicht? Indem der Palácio de Pena einfach jedes erdenkliche palasttypische Element in sich vereint, kippt er genüsslich ins Absurde.
Es ist absurd, aber zugleich beeindruckend. Der „Neue Palast“ von Dom Fernando II., dem sogenannten Künstlerkönig, wurde ab 1842 errichtet. Zuvor stand an dieser privilegierten Stelle auf dem Berggipfel ein Hieronymitenkloster. Nachdem religiöse Orden 1834 verboten worden waren, handelte der König schnell und sicherte sich das Gelände. Rund 15 Jahre dauerte der Bau des Schlosses, das seitdem wie eine kühne Krone über der Skyline von Sintra thront.
Wir waren überrascht, dass viele Besucher nur bis zum Tor des Pena-Palasts gingen, ein paar Fotos machten und dann wieder umdrehten, ohne hineinzugehen. Das ist durchaus nachvollziehbar: Schon der Eintritt in den Park ist nicht gerade günstig, und für die Besichtigung des Palastes selbst fällt nochmals ein Aufpreis an. Das dürfte einige abschrecken. Außerdem gibt es in Sintra wahrlich keinen Mangel an anderen sehenswerten Palästen.
Wir gingen trotzdem hinein und waren fast erleichtert, den Busladungen voller Touristen entkommen zu sein. Der Eingang führt durch das Tritonstor, das selbstverständlich von einer riesigen Kreatur geschmückt wird, halb Mensch, halb Fisch. Leider wird es im Inneren deutlich weniger seltsam. Die Innenräume wirken, als seien sie von jemandem gestaltet worden, der fest auf dem Boden der Tatsachen stand, und entsprechen ziemlich genau dem, was man von einem klassischen Palast erwartet: Salons, Arbeitszimmer, Kapellen sowie prunkvolle Stilmöbel und Kunstwerke.

Normalerweise sind Mike und ich uns bei solchen Besichtigungen einig, doch an diesem Tag nicht. Ich konnte meine bissigen, sarkastischen inneren Kommentare kaum abschalten, während Mike sich meiner schadenfrohen Spottlust nicht anschloss. Er mochte die Seltsamkeit und den Patchwork-Charakter des Palastes aufrichtig und entdeckte immer wieder Blickwinkel, aus denen er tatsächlich richtig schön aussah.
Ob man ihn liebt oder hasst, ob man nur für einen schnellen Schnappschuss vorbeischaut oder sich Zeit für einen ausführlichen Besuch nimmt – eines ist sicher: Ein Gebäude wie den Palácio de Pena wird man so schnell kein zweites Mal sehen.










