Der Palácio Nacional de Sintra
Der erste Palast, den du in Sintra wahrscheinlich sehen wirst, heißt genauso wie die Stadt: Palácio Nacional de Sintra. Er steht mitten im Zentrum, und von dort aus breitet sich die Stadt nach außen aus. So hat sich Sintra wahrscheinlich auch entwickelt.

Die ersten Berichte über diesen Palast stammen aus dem 11. Jahrhundert, als Sintra noch unter arabischer Herrschaft war. Natürlich hat der Palast in über 1000 Jahren nicht ohne größere Veränderungen und Renovierungen überlebt – fast alles, was du heute innen siehst, stammt aus der Zeit der christlichen Könige, besonders aus der Herrschaft von König Manuel I. (1495-1521). Die Geschichte dieses Palastes spürt man in jedem Raum, dessen besondere Architektur nur das Ergebnis von vielen Jahrhunderten Entwicklung sein kann.
Die selbstgeführte Tour startet beeindruckend in zwei der schönsten Räume des Palastes: dem Schwanensaal und dem Elsterzimmer. Der Schwanensaal hat seinen Namen von den vielen Schwänen, die in 27 einzelnen Holztafeln an der Decke zu sehen sind.

Der Elsterraum ist noch beeindruckender: An der Decke sind 136 einzelne Platten mit jeweils einer Elster zu sehen. Jede Elster hält eine Rose im Schnabel und eine Schriftrolle in der Klaue. Die rote Rose steht für das Haus Lancaster, die Familie der Königin, und auf der Schriftrolle steht „Por Bem“, was „Zum Guten“ heißt. Einer bunten Legende nach wurde der König erwischt, wie er einer Dienstmagd eine Rose schenkte. Er beteuerte seine Unschuld mit dem Satz „For Well“, was heißen sollte, dass die Rose freundschaftlich und ohne romantische Absicht war. Das gab im Palast viel zu reden, was den König ziemlich verärgerte. Deshalb entwarf er die Decke dieses Raums: Die 136 Elstern symbolisieren die kichernden und tratschenden Bediensteten.

Wenn du durch den Palast läufst, spürt man, dass diese Mauern im Laufe der Jahrhunderte viele königliche Intrigen erlebt haben. Am liebsten würde man in jedem Raum länger bleiben – aber es gibt einfach zu viele! Der Meerjungfrauenraum, verschiedene Schlafzimmer, der arabische Raum mit seinem Springbrunnen in der Mitte, die Innenhöfe und die beeindruckende Palastkapelle. Der Weg durch den Palast ist verwinkelt, und ohne die Pfeile, die dich von Raum zu Raum leiten, könnte man sich leicht verlaufen.
Uns hat alles gefallen, aber zwei Räume stechen besonders hervor. Der erste ist der Wappensaal, auch Blazonssaal genannt. Dort fällt dir sofort die beeindruckende Decke ins Auge. In der Mitte ist das Wappen der Königsfamilie, umgeben von den Wappen der 72 wichtigsten Familien des Landes. Für Forscher, die sich mit der heraldischen Geschichte Portugals beschäftigen, ist diese Decke von unschätzbarem Wert und einzigartig in ganz Europa.
Ein weiteres Highlight war die Küche, die man schon von außen an den zwei riesigen Schornsteinen erkennt, die 33 Meter hoch sind. So etwas haben wir vorher noch nie gesehen. Die ganze Küche ist eigentlich eine Schornsteingrube. Wegen der ständigen Brandgefahr ist sie komplett abgeschlossen und vom Rest des Palastes getrennt.

Bis wir den Palácio Nacional de Sintra besucht hatten, hatten wir darüber diskutiert, welchen der vielen Paläste in Sintra wir weglassen könnten, weil wir dachten, wir müssten nicht alle sehen. Doch diese Diskussion war jetzt vorbei. Wenn die anderen Paläste nur halb so faszinierend sind wie dieser, wäre es wirklich schade, auch nur einen zu verpassen.












